Thema 3: Süßen ohne Zucker

Süßen ohne Zucker

Süßer Genuss, ganz ohne alle negativen Nebenwirkungen, die dem Zucker nachgesagt werden? Das hört sich traumhaft an. Andererseits sind viele Verbraucher verunsichert. Wie wirken Süßstoffe tatsächlich? Grundsätzlich gilt es zwischen Süßstoffen und Zuckeraustauschstoffen zu unterscheiden. Letztere heißen zum Beispiel Sorbit, Isomalt, Mannit und Xylit und enthalten pro Gramm 2,4 kcal Energie. Das ist etwas mehr als die Hälfte des Kaloriengehalts, den Zucker liefert, sie schmecken aber auch nur halb so süß. Außerdem können sie abführend wirken. 

Zulassungs- und Kennzeichnungspflicht

Süßstoffe dagegen enthalten keine oder nur vernachlässigbare Mengen an Kalorien. Sie sind synthetisch hergestellte oder natürliche Verbindungen mit der 30- bis 3000-fachen Süßkraft von Zucker. Da sie zu den Lebensmittelzusatzstoffen zählen, müssen sie gesetzlich zugelassen werden. Auf den Produkten müssen sie nicht nur in der Zutatenliste auftauchen, vielmehr müssen die Produkte zusätzlich den Hinweis „mit Süßungsmittel(n)“ tragen. In der EU sind folgende Süßstoffe zugelassen: Acesulfam-K (E 950), Aspartam (E 951), Aspartam-Acesulfamsalz (E 962), Cyclamat (E 952), Neohesperidin DC (E 959), Saccharin (E 954), Sucralose (E 955), Thaumatin (E 957) und Steviosid (E 960).

Light-Produkte – besser oder schlechter?

Wer auf sein Gewicht achten möchte, greift oft zu Light-Produkten, die statt Zucker Süßstoffe enthalten. Dabei wird oft übersehen, dass der Fettgehalt dieser Produkte häufig unverändert bleibt. Hinzu kommt die Tendenz, dass kalorienarme Produkte dazu verleiten können, im Ganzen mehr davon zu essen. Für die Vermutung, dass Süßstoffe Heißhunger auslösen können, existieren allerdings keine seriösen Studien. Auch der immer wieder geäußerte Verdacht, dass Süßstoffe das Risiko für Krebserkrankungen erhöhen würden, ist kann wissenschaftlich nicht bestätigt werden. Sicher ist aber: Die Dosis ist auch bei Süßstoffen ausschlaggebend. Für Saccharin wird beispielsweise empfohlen, täglich höchstens fünf Milligramm zu sich zu nehmen. 

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Die bessere Süße?

Honig, Dicksaft, Stevia und Co gelten als „natürliche“ Süße. Wer bewusst naschen will, greift daher gerne zu diesen Alternativen. Tatsächlich wird aber auch ganz normaler Zucker aus der Natur gewonnen – aus der Zuckerrübe oder dem Zuckerrohr nämlich. In der Öffentlichkeit wird dies oft anders wahrgenommen. So hat Honig einen festen Platz in der Naturkost. Geschmacklich unterscheidet er sich unbestritten vom Zucker. Ansonsten besteht Honig aber vor allem aus Fruchtzucker, Traubenzucker, Saccharose und höheren Zuckern. Weitere Bestandteile sind neben Wasser auch Mineralstoffe und Vitamine. Diese sind aber in so kleinen Dosen vorhanden, dass sie nicht wirklich zur Bedarfsdeckung beitragen. Ebenfalls beliebt in der Vollwerternährung: Apfel- oder Birnendicksaft, der durch das Einkochen von Äpfeln und Birnen gewonnen wird. Er enthält viele Mineralstoffe, die Vitamine gehen bei der Herstellung allerdings weitgehend verloren. Als besonders natürlich wird seit Neuestem Stevia gepriesen. Die Blätter der aus Brasilien und Paraguay stammenden Pflanze enthalten süß schmeckende Zuckerverbindungen. Diese sogenannten Steviolglycoside sind nahezu kalorienfrei. Die aus der Pflanze extrahierten Steviolglycoside sind nach langen Untersuchungen und Debatten mittlerweile als Süßstoff E 960 zugelassen, allerdings nur für in bestimmte Lebensmittel und auch dort nur in festgelegten Höchstmengen.

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Was sagt die Zutatenliste?

Längst wissen wir: Der Zucker, den wir tagtäglich verzehren, kommt nur zum geringsten Teil aus der eigenen Zuckertüte. Der Großteil wird verarbeitet über diverse Lebensmittel aufgenommen. Wenn man unsicher ist, ob ein Produkt Zucker enthält, gibt die Zutatenliste auf der Verpackung Auskunft: Wo etwa Zucker, Maltose, Oligofruktose oder Glukose-Fruktose-Sirup draufsteht, ist auch Zucker drin. 

Mehr Transparenz gefordert

Werbeslogans wollen logischerweise ein bestimmtes Erzeugnis an den Mann oder die Frau – immer öfter aber auch ans Kind bringen. Generell ist Werbung ein legitimes Mittel der Unternehmen, ihre Lebensmittel anzupreisen. Doch immer wieder geraten die Auslobungen in der Werbung und auf den Verpackungen in die Kritik. Nach einer bundesweiten Markterhebung beanstandete der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV), dass Aussagen wie „zuckerfrei“ oder „ohne Zuckerzusatz“ den tatsächlichen Zuckergehalt von Produkten häufig verschleierten. Statt Transparenz zu bieten, führten Lebensmittel-Kennzeichnungen die Kunden vielmehr in die Irre.

Aussagen kritisch hinterfragen

Für die Verwendung der Begriffe „zuckerarm“ oder „zuckerfrei“ in der Werbung und auf den Verpackungen gibt es Regelungen, die aber vielen Kunden nicht bekannt sind: Die Angabe, ein Produkt sei zuckerarm, ist laut Lebensmittelrecht zulässig, wenn nicht mehr als 5 g Zucker pro 100 g enthalten sind. Als zuckerfrei dürfen nur Lebensmittel bezeichnet werden, die maximal 0,5 g Zucker pro 100 g aufweisen. Die Angabe „ohne Zuckerzusatz“ bedeutet, dass keine Mono- oder Disaccharide oder ein anderes, wegen seiner süßenden Wirkung verwendetes Lebensmittel zugesetzt wurde. Wenn ein Lebensmittel, wie etwa Fruchtsaft, von Natur aus Zucker enthält, ist dafür trotzdem die Aufschrift „ohne Zuckerzusatz“ erlaubt. Es sollte dann zwar mit dem Hinweis „Enthält von Natur aus Zucker“ entsprechend gekennzeichnet sein, Vorschrift ist dies allerdings nicht. 

Beim Einkaufen lohnt es sich daher, mit kritischem Blick und viel gesundem Menschenverstand durch die Regale zu gehen. Hilfreich ist außerdem ein Blick auf die Nährwerttabelle. Diese gibt meist den Anteil von Zucker an den enthaltenen Kohlenhydraten an. Pflicht werden diese Angaben zu Zuckergehalt und Energiewert von Lebensmitteln jedoch erst ab Dezember 2016.

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