Per Mikrochip gegen Lebensmittelverschwendung

Die meisten Lebensmittel schmecken am besten, wenn sie ganz frisch auf den Tisch kommen. Genießbar sind sie noch viel länger. Doch woran kann der Verbraucher erkennen, was bedenkenlos gegessen oder getrunken werden kann oder was man lieber nicht mehr auftischt? Eine schwierige Frage, die von vielen im Zweifel mit dem Wegwerfen der Packungen beantwortet wird. „Viel zu oft“, darin sind sich Experten einig. In der Summe sind es allein in Deutschland rund sieben Millionen Tonnen pro Jahr. Ein Großteil davon wäre noch genusstauglich gewesen. Um diese Verschwendung, die einem Marktwert von über 1,5 Mrd. Euro entspricht, zu vermeiden, gibt es mehrere Vorschläge. Oft wird – gerade bei Obst und Gemüse – mehr gekauft als wirklich gebraucht wird. Hier würde eine bessere Planung helfen. Stellte die Verwendung von Resten und überschüssigen Mengen für Oma noch eine Herausforderung an die Köchin dar, so fehlt heute oft die Zeit, sich dieser Option zu stellen. Eine weitere Hilfestellung bietet die Elektronik. So wurden inzwischen Systeme entwickelt, die nicht nur die Einhaltung der Kühlkette und der optimalen Transporttemperaturen gewährleisten, sondern die auch den Fleischverderb in der SB-Packung messen können.

Die Warenwirtschaft wird durch RFID-Chips unterstützt, die alle relevanten Daten über den Zustand und die Art von Lebensmitteln erfassen und automatisch zum Beispiel bei einem Ortswechsel vom Lager in die Verkaufstruhe melden. Wird die Packung vom Kunden entnommen und an der Kasse erfasst, wird – je nach Programmierung – Nachschub angefordert.

Doch was technisch im Labor machbar ist, scheitert oft an unvorhersehbaren Hürden. Zwar gibt es den Chip, der – sobald er mit Fleischsaft in Kontakt kommt, diesen analysieren und damit den Zustand des Fleisches berührungslos beurteilen kann, doch es dauerte, bis das Einpacken des elektronischen Helfers schnell und unkompliziert funktionierte. Inzwischen werden die Sensoren entweder im Saugvlies unter dem Bratenstück eingebaut oder bei weichen Schalen in den Schaumstoffboden integriert. Ein beginnender Verderb wird dann durch einen Farbumschlag angezeigt. Dieser kann auch in Schriftform erfolgen. Dann erscheint auf dem Etikett beispielsweise der Schriftzug: „Bei Erscheinen dieses Hinweises sofort durcherhitzt verbrauchen“.

Neben der Beurteilung von Fleischprodukten gibt es weitere konkrete Anwendungen, um der Verschwendung von Lebensmitteln entgegenzuwirken. So setzen einige Experten auf die Verlängerung der Haltbarkeit durch den Einsatz von Nano-Silber und dessen antibiotische Wirkung, während andere Forschungen in Richtung der korrekten Anzeige der Restlaufzeit durch farbige Indikatoren gehen. Ähnlich funktionieren auch Reife-Sensoren, die beispielsweise bei Kernobst eingesetzt werden können. Sie zeigen durch ihre Farbe den Reifegrad der Ware an. Diese visuellen Anwendungen sind bereits aus der Laborphase heraus und können in der Vertriebskette genutzt werden. Für die nahe Zukunft steht der nächste Schritt in Richtung Verbraucherverhalten an. Gemeint ist eine Verknüpfung der Möglichkeiten der RFID-Chiptechnologie mit High-Tech Haushaltsgeräten: „Der Kühlschrank weiß dann genau, welches darin gelagerte Lebensmittel als erstes verzehrt werden sollte.“ Die Anzeige der Produkte könnte über ein mit einem entsprechenden App versehenes Smartphone erfolgen. Auch am Nachweis von Mikroorganismen durch entsprechende Antikörper wird geforscht.

Ständige Temperaturkontrollen sind besonders bei Tiefkühlkost ein weiterer Baustein der Qualitätssicherung im Sinne langer Haltbarkeitsfristen – ob bei der Verarbeitung, Verpackung, Lagerung oder dem Transport: Die lückenlose Einhaltung der Tiefkühlkette ist der Garant, dass die Top-Qualität von Tiefkühlkost erhalten bleibt. Der Gesetzgeber schreibt eine Produkttemperatur von mindestens minus 18 Grad Celsius vor. Die Dokumentation spielt auch hier eine entscheidende Rolle. Fortschritte in der Informationstechnologie helfen dabei, die gestellten Anforderungen jederzeit umzusetzen. Tiefkühletiketten mit eingebautem Chip zur Temperaturaufzeichnung sind keine Zukunftsmusik mehr, sondern in einigen Unternehmen bereits ein fester Teil des alltäglichen Geschäftes. Label, die ihre Farbe verändern, sobald einer der festgelegten Qualitätsparameter nicht optimal gewährleistet wurde, stellen technisch ebenfalls kein Problem mehr dar.

Eher für den optimalen Genusswert als zur Vermeidung von Verderb sind jene Etiketten konzipiert, die auf Flaschen oder Dosen von Getränken aufgebracht werden und per Farbanzeige signalisieren, ob Bier, Wein oder Saft die gewünschte Temperatur aufweisen.