DLG-Studie: Transparenz bei Lebensmitteln aus Verbrauchersicht

Es vergeht kein Tag, an dem nicht über die Vertrauenskrise gesprochen wird: Vertrauensverlust in die Banken, Vertrauensverlust in die EU, Vertrauensverlust aber auch und immer wieder in Lebensmittel und Lebensmittel-Erzeugung. Wie hoch ist der Vertrauensverlust wirklich? Wem vertrauen die Deutschen aktuell? Und wie steht es dabei um die deutschen Lebensmittel und die entsprechenden Skandale? In Zusammenarbeit mit der Agentur taste! wurden dafür im Juni und Juli 2012 rund 1.350 Verbraucher in Deutschland befragt.

Gefragt nach den wichtigsten Kriterien beim Kauf von Lebensmitteln rangieren die Aspekte „Frische“ (95 %) und „Preis“ (81 %) an erster Stelle. Bereits auf dem dritten Platz folgt „Vertrauen“ als wichtiges Entscheidungskriterium (78 %) bei der Auswahl von Lebensmitteln, gefolgt von den Themen „Herkunft“, „Nährwerte“ und „Regionalität“. „Vertrauen“ ist den befragten Verbrauchern allerdings auch wichtiger als „Kontrolle“ (62 %) und „Transparenz“ (62 %). Unterschiede im „Vertrauen“ gibt es hinsichtlich der sozialen Schichtenzugehörigkeit sowie des Geschlechts. So haben Männer mehr Vertrauen in den Staat und die Medien, Frauen dagegen stärker in die Lebensmittelindustrie.

Welche Skandale bleiben im Gedächtnis?
Lebensmittelskandale rufen kurzfristig hohe Betroffenheit hervor, führen aber langfristig kaum zu einer Verhaltensänderung beim Verbraucher. Nur sehr wenige Verbraucher würden, so die Studie, Lebensmittel, die einmal in einen Skandal verwickelt waren, gar nicht mehr kaufen. Allerdings zeigt sich, dass gerade den skandalerschütterten Lebensmitteln deutlich weniger getraut wird. Die Ergebnisse der DLG-Studie zeigen, dass es ein ziemlich klares Ranking der im Gedächtnis gebliebenen Skandale gibt. Der Gammelfleisch-Skandal, den die Menschen zeitlich durchaus verorten können, und die BSE-Krise sind nachhaltig die Negativ-Schlagwörter unserer Zeit. Hier ist tiefes Misstrauen gesät und die Verbraucher befürworten umfassende Kontrollen der Lebensmittel. Mit 40 Prozent fordert man dies explizit für die Kategorie Fleisch und Wurst, gefolgt von Obst und Gemüse (23 %). Auf dem dritten Platz folgt Fisch (17 %). Eine Platzierung, die sich durch die hohe Sensibilität dieser Kategorie erklären lässt.



Wem vertraut der Verbraucher?
Vertrauen basiert auf gemachten Erfahrungen, auch wenn es nicht immer die eigenen sind. Dazu zählen neben Verbrauchertests und freiwilligen Kontrollen durch unabhängige Institute und Berichte in den Medien auch Verpackungsdeklarationen sowie unternehmerische Aktionen wie der „gläserne Betrieb“ oder der „Tag der offenen Tür“.

Befragt nach vertrauensvollen Organisationen und Institutionen sind Testinstitute die Vertrauenssieger, direkt gefolgt von sozialen Einrichtungen. Vor wenigen Jahren noch nicht am Start, halten die NGOs mit aktuell 38 Prozent Zustimmung einen starken dritten Platz. Der Staat als Gesetzgeber rangiert lediglich auf Platz 5. Handel und Lebensmittelindustrie schaffen mit jeweils 20 Prozent den vorletzten Platz dieses Rankings.

 

Welche Referenzen helfen Vertrauen zu bilden?
Neben den bereits genannten Siegeln gibt es weitere Referenzen und Maßnahmen, die für Transparenz stehen und Vertrauen schaffen können. Auch hier kommt es darauf an, wie bekannt Institutionen, Tools und Maßnahmen beim Verbraucher sind. So kennen z.B. nur 5 Prozent die Verbraucherzentrale nicht, 76 Prozent aller Verbraucher vertrauen ihr. Trotz jahrelanger Bewerbung und langjährigem Einsatz auf vielen Produktpackungen kennen 15 Prozent der Verbraucher die Nährwerttabellen nicht. „Nur“ 56 Prozent vertrauen den Informationen, die darauf enthalten sind.

Vom QR-Code versprechen sich viele in der Lebensmittelbranche weitergehende Aufklärung, Interaktion mit der Marke und somit Imagebildung. Immerhin kennen mittlerweile zwei Drittel der Verbraucher dieses Tool. Aber nur 17 Prozent halten QR-Codes für eine vertrauenswürdige Informationsquelle. Die Tatsache, dass die Codes immer öfter auf Produkten und in Kommunikationsmaßnahmen eingesetzt werden, wird in den nächsten Jahren sicherlich für mehr Vertrauen und Akzeptanz beim Verbraucher sorgen. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass das Potential zur Vertrauensbildung, das die neuen Möglichkeiten, Institutionen und Tools mit sich bringen, noch nicht ausgeschöpft ist. Tools alleine bilden noch kein Vertrauen. Viel wichtiger sind die Informationen, die der Verbraucher dadurch erhält.