Kleine Geschichte des Weizenbiers

Im 16. Jahrhundert wurde in Bayern das Brauen von „Weißem Bier“ untersagt. Mit der Begründung, es sei „ein unnützes Getränk, das weder führe noch nähre, noch Kraft und Macht gäbe, sondern nur zum Trinken reize“, verbot das bayerische Herrscherhaus das Brauen von Weizenbier im Jahr 1567. Hintergrund war jedoch die Befürchtung, dass zu viel Weizen verbraucht werde, den man zum Brotbacken benötige. Das Recht, aus Weizen Bier zu brauen, behielt lediglich das niederbayerische Geschlecht der Familie Degenberger. Als die Familie im Jahr 1602 ausstarb, fielen Besitz und Braurecht an das bayerische Herrscherhaus unter Maximilian I. zurück.

Das „Weiße Bräuhaus“ wurde 1605 an jener Stelle in München gegründet, an dem heute das berühmte Hofbräuhaus steht. Herzog Maximilian ließ das Weizenbier hier nun selbst brauen und vermarkten. Zeitgleich entstanden überall in Bayern kurfürstliche Brauhäuser, die Weizenbier erzeugten und den bürgerlichen Braunbierbrauern zur Konkurrenz wurden.

Das Herrscherhaus gab sein Privileg erst auf, als das kurfürstliche Weißbier im 18. Jahrhundert unmodern wurde und die Einnahmen zurückgingen.
Der Gründer der heutigen Weißbierbrauerei G. Schneider & Sohn GmbH in Kehlheim pachtete das geschichtsträchtige Weiße Hofbräuhaus im Jahr 1856. Georg Schneider löste das noch auf dem Haus liegende Weißbierregal ab und erwarb 1872 die Maderbräu in München, aus der die älteste Weißbierbrauerei der Neuzeit wurde.

Mit der Verbesserung der Brautechnik, die eine Qualitätssteigerung der untergärigen Biere zur Folge hatte, ging der Konsum von Weizenbier im 18. Jahrhundert jedoch weiter zurück. Die Biersorte büßte ihre Beliebtheit ein und genoss bis vor wenigen Jahrzehnten praktisch keine Marktbedeutung. Heute erlebt die älteste Biersorte der Welt ein Comeback.