Weiß- und Rotweine der Burgunderfamilie

Die Weiß- und Rotweine aus den Rebsorten der so genannten Burgunderfamilie gehören in vielen Anbaugebieten der Welt zu den edelsten Gewächsen. In Deutschland sind insbesondere die Sorten Spätburgunder, Weißburgunder und Grauburgunder von Bedeutung. Für das Jahr 2011 verzeichnet das Statistische Bundesamt eine Rebfläche von 11.756 Hektar, die mit Spätburgunder bestockt sind. Das entspricht einem Anteil von 11,5 Prozent an der gesamten deutschen Rebfläche. Grauburgunder wächst auf 4.859 Hektar, während auf den Weißburgunder 4.280 Hektar entfallen. Weitere Verwandte oder Kreuzungen der aus dem französischen Burgund stammenden Pinot-Familie sind Frühburgunder, Schwarzriesling, Sankt Laurent, Chardonnay und Auxerrois. Es gibt weltweit zahlreiche Synonyme für diese Rebsorten. Am häufigsten findet man die Bezeichnung Pinot Noir für Spätburgunder, Pinot Blanc für Weißburgunder und Pinot Gris für Grauburgunder. Heute verwenden viele deutsche Winzer die französischen Bezeichnungen.

Das Trio der in Deutschland am stärksten verbreiteten Burgunderreben legt seit einigen Jahren sowohl in der Anbaufläche, als auch im Hinblick auf die Weinqualitäten zu und gehört zusammen mit dem Riesling zu den deutschen Leitrebsorten.
Spätburgunder zählt vermutlich zu den frühesten aus Wildreben entstammenden Sorten und soll im 18. Jahrhundert aus dem Burgund an die Ahr gelangt sein. Dort und in vielen weiteren Anbaugebieten Deutschlands findet die anspruchsvolle Rebe, die ihre große Komplexität eher in den so genannten Cool Climate-Zonen entfaltet, ausgezeichnete Bedingungen. Pinot Noir-Weine sind von leichterer Statur als Cabernet Sauvignon oder Merlot und auch in ihrer Farbe heller. Sie werden meist als trockene Rotweine ausgebaut. Ein echtes Trendprodukt sind die Blanc de Noirs-Weine und -Sekte, die aus den Rotweintrauben hergestellt werden, indem man sie sofort nach der Lese abpresst. Dadurch erhalten sie ihre helle Farbe, die einem Weißwein gleicht, oder zartrosafarbene Nuancen. 

Tipp: Spätburgunderweine schmecken samtig und erdig mit feinen Fruchtaromen von Kirschen, Brombeeren, schwarzer Johannisbeere und Mandeln. Die höchsten Qualitäten baut man häufig im Barriquefass aus. Dann erhalten die Weine zarte Anklänge von Vanille, Schokolade, Zigarre oder Zedernholz. Mit ihrer vielseitigen und komplexen Struktur sind Spätburgunder ausgezeichnete Speisebegleiter und harmonieren mit vielen Küchen der Welt. Die „Großen Gewächse“ passen zu anspruchsvollen Speisen, dunklem Fleisch, Wild und zu asiatischen Gerichten, edelsüße Spätburgunder harmonieren mit Schokolade und zahlreichen Desserts.

Grauburgunder, der in Deutschland auch die Bezeichnung Ruländer trägt, weil ihn der Kaufmann Johann Ruland um das Jahr 1700 in einem Pfälzer Weinberg entdeckte und vermehrte, kam vermutlich schon im 14. Jahrhundert nach Deutschland. Die Weine aus dieser Rebe können je nach Standort sehr unterschiedlich sein – vom leichten Sommerwein bis zur fast opulenten Charakteristik gibt es viele Spielarten. Die größte Rebfläche innerhalb Deutschlands nimmt er in Baden ein. Grauburgunder gedeiht am besten auf Lössböden, Kalk oder steinigem Grund und ist relativ unempfindlich gegenüber Frost. Der Ausbau kann sowohl im Stahltank, als auch im Holzfass oder Barrique erfolgen.

Tipp: Mit Duftnoten von Honig, Nüssen und Mandeln und fruchtigen Geschmacksaromen von Äpfeln, Birnen und Aprikosen, manchmal auch würzigen Noten von Paprika, lässt sich ein Grauburgunder gut mit kräftigen Fischgerichten, Meeresfrüchten, aber auch mit Wild kombinieren. Wenn die Weine im Barrique ausgebaut wurden, harmonieren sie auch mit intensiveren Speisen wie Lamm oder Reh. Auslesen sind genussreich in Verbindung mit kräftigen Käsesorten und Mandeldesserts.

Weißburgunder-Weine werden – wie die anderen Burgundersorten - nicht nur in Deutschland, sondern auch in Italien (Pinot Bianco), in Frankreich (Pinot Blanc), in Österreich, Slowenien, dem Elsass und in vielen Überseeländern angebaut. Erste Nachweise der Rebe stammen aus dem 14. Jahrhundert. Diese Rebe gedeiht auch in Lagen, die für den Riesling zu heiß sind. In Deutschland und insbesondere in Baden, der Pfalz und Rheinhessen findet sie wachsenden Anklang. Heute sind gut drei Prozent der deutschen Rebfläche mit Weißburgunder bestockt.

Tipp: Weißburgunder können eine sehr unterschiedliche Charakteristik aufweisen. Sie reicht vom leichten Sommerwein bis zu kraftvollen und alkoholreichen Varianten oder Auslesen. Damit sind sie ideale Essensbegleiter für viele Gerichte. Mit ihrem dezenten Aroma, das an Äpfel, Birne, Quitte, Aprikose, Nüsse, Zitrusfrüchte oder frische Ananas erinnert und einer erfrischenden Säure können sie zu Meeresfrüchten, Fisch, Kalb- und Schweinefleisch und zu Geflügel gereicht werden.